Zukunftsinstitut: Modulbau boomt
© Modul: W. Sobek

Zukunftsinstitut: Modulbau boomt

Bereits vor der aktuellen Coronakrise eroberte die neue modulare Bauweise einen festen Platz im Bau- und Wohnbereich. Einen zusätzlichen Aufschwung soll das intelligente Plan- und Bauproduktionssystem nun durch die geänderten Pandemie-Bedürfnisse erhalten. Einen solchen Boom zumindest prognostiziert die bekannte Wohn- und Design-Trendforscherin des deutschen Zukunftsinstitutes Oona Horx-Strathern für 2021.

Bei der Modulbauweise werden die einzelnen Teile eines Gebäudes im Werk vorgefertigt und dann nach dem „Baukastenprinzip“ vor Ort zusammengesetzt. Dabei kann ebenso detailgenau wie umfassend auf die unterschiedlichsten Nutzen- und Größenanforderungen der Gebäude bzw. einzelner Bereiche eingegangen werden. Denn bereits im Werk wird das Modul optimal an die jeweiligen Bedürfnisse angepasst, inklusiver technischer Ausstattung.

Ein besonderes Charakteristikum der modularen Bauweise ist ihre einzigartige Flexibilität. Denn mithilfe der modularen Bauweise können die Gebäude rasch wieder verkleinert oder vergrößert werden und die einzelnen Module wiederum – wenn gewünscht- an einem anderen Ort zum Einsatz kommen.

Die Modulbauweise kommt heute in allen Bereichen der öffentlichen und privaten Bauwirtschaft zum Einsatz.

Rasantes Wachstum

Weltweit verzeichnet die modulare Bauweise daher aufgrund ihrer Schnelligkeit, Flexibilität und nicht zuletzt dank ihrer multifunktionalen Anpassungsfähigkeit eine zunehmend größere Beliebtheit. So wird für das modulare Bauen ein Wachstum von 119, 96 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019 auf 191,62 Milliarden US-Dollar vorhergesagt, was einer jährlichen Wachstumsrate von 6,4 Prozent entspricht (CAGR). Als Ursachen dafür werden die zunehmende Urbanisierung, das schnell steigende Bevölkerungswachstum sowie erhöhte Investitionen in die Infrastrukturentwicklung angeführt. (Quelle: HomeReport 2021).

Als konkretes Beispiel, wie sehr die Modulbauweise bereits etabliert ist, führt Oona Horx-Strathern die nördlichen Länder Europas an: „Vor allem Länder wie Kanada, Finnland und Schweden, in denen kürzere Tageszeiten und extreme Wetterbedingungen traditionelle Baumethoden erschweren, setzen auf flexibles Bauen. Mit Stand 2018 wurden beispielsweise in Schweden bereits 85 Prozent der neu gebauten Häuser mithilfe der modularen Bautechnik errichtet (vgl. Reports an Data 2020b).“

Corona: Abstand halten vergrößert Raumbedarf

„Abstand halten“, lautet der große Slogan in Pandemiezeiten. Und das ganz gleich, ob es sich um Klassenräume, Büros, Handel, Dienstleistungen oder Gesundheitseinrichtungen handelt. Aber auch die eigenen vier Wände werden rasch zu eng, wenn neben Heimunterricht der Kinder auch noch Home-Office der Eltern angesagt ist. All diese Anforderungen bedingen größere Flächen und neue Räume. Und dies möglichst rasch, kostengünstig und flexibel. Horx-Strathen im HomeReport 2021 dazu: „Hierbei profitiert die Baubranche von der Flexibilität und Schnelligkeit der modularen Bauweise. Innerhalb weniger Tage können Klassenräume erweitert oder neue Patientenzimmer eingerichtet werden. Was bisher bereits möglich war, allerdings noch von Vorurteilen geprägt oder in Pilotprojekten getestet wurde, wird jetzt zur Normalität: die kurzfristige Erweiterung von Gebäuden. Modularität ermöglicht es, dass sich Gebäude an den Ansprüchen und Bedürfnissen der Menschen ausrichten – und nicht umgekehrt.“

Nachhaltig und kostensparend

Doch noch zwei weitere wichtige Zeitgeist-Vorzüge sieht Horx-Strathern als große Plus der modularen Bauweise: Nachhaltigkeit und Rentabilität. „Insbesondere lassen sich dadurch (durch modulare Bauweise; Anm. Redaktion) Zeit- und Kosteneinsparungen realisieren. Laut einer Studie von McKinsey können die Laufzeit eines Bauprojektes um bis zu 50 Prozent verkürzt und die Kosten um bis zu 20 Prozent reduziert werden. Auf den Gesamtmarkt bezogen würde daraus eine jährliche Kostenersparnis von jährlich 22 Milliarden US-Dollar resultierten (McKinsey & Company 2019). ,Modulare Bauten sind effizienter und umweltfreundlicher als traditionelle Bauten – sie verbrauchen nur die Hälfte der Energie, produzieren die Hälfte des Abfalls und benötigen lediglich ein Drittel der Zeit`, fasst es Richard Harris, Head of Capital Work Services EMEA (Hotels & Hospitality) bei Jones Lang LaSalle, zusammen.“ (Zitat: Oona Horx-Strathern, HomeReport 2021).

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